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Kaleidoskop an SpielartenZeitgenössische Oper, Literaturoper, Kammeroper, szenische Musik, instrumentales Theater, Musikperformance, Konzertinstallation, akustisches Environment, akustische Intervention im öffentlichen Raum, audiovisuelle Komposition, musikalisches Tableau, Happening. Die bloße Auflistung der Vielzahl unterschiedlicher Formate macht deutlich, dass das zeitgenössisches Musiktheater weniger ein klar begrenztes Genre darstellt als ein Sammelbecken ganz unterschiedlicher Formen. Das erschwert zwar seine Klärung, zeigt aber auch, welche Entwicklung das Musiktheater seit dem Zweiten Weltkrieg genommen hat und wie lebendig es bis heute geblieben ist. Es hat die Traditionslinien der Oper weitergeführt und neu interpretiert, hat sich die Intimität der Kammeroper zunutze gemacht, aber auch die klassischen Bühnenräume verlassen und sich dem Theater des Lebens zugewandt. Die gestische und optische Dimension des Musikmachens selbst, des instrumentalen Spiels sind von ihm entdeckt worden, die Präsenz des Ausführenden aufgewertet und der allgegenwärtigen Soundscape als theatraler Raum interpretiert worden. Kurzum: Das allgegenwärtige Phänomen der Theatralisierung hat auch die Sphäre des Musiktheaters durchdrungen und aus einer fest umrissenen Gattung ein Kaleidoskop musiktheatraler Spielarten entstehen lassen, das sich immer wieder neu konfiguriert, das sich den Strategien des Medienzeitalters wie der allgegenwärtigen Inszenierung, der Medialität bedient und sie kritisch reflektierend neu kontextualisiert. So ist es nicht überraschend, dass sich auch im Netzwerk Neue Musik alle diese Spielarten des Musiktheaters wiederfinden. Fast 200 Veranstaltungen (von rund 2000 im Zeitraum von 2008 bis 2010) firmieren im Netzwerk unter der Bezeichnung Musiktheater, also etwa zehn Prozent. Doch die Bedeutung der Sparte, für das Netzwerk insgesamt geht über die bloße Förderung von Aufführungen und Uraufführungen hinaus. Neben der für das Musiktheater genuinen Verknüpfung der Künste werden auch spezifische künstlerische Strategien, die das Musiktheater im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelt hat, auch von Kuratoren, Musikern und Pädagogen in ihrer Arbeit ins Spiel gebracht, wie zum Beispiel die Theatralisierung des Musikmachens wie auch des Musikhörens, die Interpretation des öffentlichen Raumes als Bühnenraum und vieles andere mehr. Mehr als in anderen Sparten hat sich im Bereich Musiktheater die künstlerische Praxis mit Vermittlungsstrategien verquickt. Im Netzwerk Neue Musik ist das zeitgenössische Musiktheater in seiner Vielfalt präsent und wirkt gleichzeitig als ein Vermittlungsformat. Nicht selten gleiten Projekte, die als Vermittlungsprojekte gestartet sind unmerklich in die Sphäre der Kunst bzw. wird in künstlerische Vorhaben die Kommunikation mit dem Publikum von vorneherein integriert. |
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